Bambus

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Im dritten Lehrjahr meiner Ausbildung musste ich eine Hausarbeit über Bambus schreiben. Sie ist über 40 Seiten lang geworden. Nun möchte ich die wichtigsten Punkte für euch kurz zusammenfassen.

 

Bambus – eine absolut geniale Pflanze, ein Leben ohne Bambus wäre unvorstellbar. Bambus ist zur heutigen Zeit in einigen Ländern unentbehrlich und auch in Deutschland verbreitet er sich, zum Beispiel als Zierpflanze im Garten, als Schneidebrettchen, diverse andere Küchenutensilien, Kleidung…, immer mehr. Ich finde Bambus ist eine der wundervollsten Pflanzen dieser Erde, da er schnell wächst und sehr vielseitig ist. Er findet in vielen Bereichen des täglichen Lebens verwendung, zum Beispiel in der Ernährung beim Kochen, Wohnen, Körperpflege, in der Verteidigung/Jagd, zum musizieren…

Bambus kommt vorallem in Asien, Afrika, Australien und Amerika vor. Nach Europa kam er im 18. Jahrhundert.
Er gehört zur Familie der Gräser (ja Bambus ist kein Baum, Strauch etc. er gehört zu den Gräsern) daher spricht man nicht von Bambusstämmen, sondern von Halmen. Weltweit gibt es rund 1200 verschiedene Bambussorten.
Bambus liebt warme Temperaturen, dennoch gibt es Sorten die unseren Winter überdauern können. Die Temperatur hat auch Auswirkung auf das Wachstum, zum Beispiel werden hier einige Arten 10 Meter hoch und in Asien 30 Meter. Außerdem ist Bambus sehr flexibel, windbeständig und leicht.
Er bevorzugt sandigen bis lehmigen Boden.

Aufbau der Pflanze
Im allgemeinem Aufbau der Pflanze sind alle Bambusse relativ gleich. Sie bestehen aus fünf Hauptteilen: Rhizom, Wurzel, Halme, Triebe und Blätter. Einige Arten tragen auch Früchte.

Rhizom
Rhizome sind unterirdische Stengel, sie tragen in gleichmäßigen Abständen angeordnete Knoten (=Nodien). Auf diesen Knoten sitzen sogenannte Augen, aus denen sich neue Rhizome oder Halme entwickeln.
Der Typ des Rhizoms bestimmt das Verhalten und das allgemeine Aussehen eines Bambus. Man unterscheidet zwei grundlegende Arten:
Leptomorphe Rhizome sind lang und schlank und wachsen horizontal in den oberen 30cm des Bodens. Sie können mehrere Meter lang werden, bevor sich wieder ein Halm entwickelt. Diese Rhizome können durchaus einige Meter pro Jahr zurücklegen.

Pachymorphe Rhizome sind dick und kurz und bilden in kurzen Abständen neue Triebe. Dadurch wachsen diese Bambusse in mehr oder weniger dichten Horsten (=Pflanzenwuchsform, bei der viele Triebe einer Pflanze eng aneinander stehen) und wuchern nicht. Die in Europa häufig zu sehende Gattung Fargesia gehört zu den Bambussen mit pachymorphem Rhizom.

Eine Zwischenstufe wären amphipodiale Rhizome. Dabei handelt es sich um pachymorphe Rhizome die lange Triebstücke bilden können.

Wurzel
Die Wurzeln sind verzweigt und haben einen geringen Durchmesser von wenigen mm. Sie versorgen die Pflanze mir Nährstoffen und nehmen Wasser aus dem Boden auf. Die Wurzeln sind an den Knoten mit den Rhizomen verbunden. Die Wurzeln verankern den Bambushalm so fest, dass er z.B. durch einen Windstoß nicht umfällt.

Halme
Die Halme entwickeln sich aus den Augen der Rhizome, die sich unterirdisch gebildet haben und vertikal wachsen. Nodien unterteilen die Halme, genauso wie die Rhizome. Die Internodien sind hohl. Es gibt Arten mit gefüllten Internodien, sie werden als männlich bezeichnet, das sagt aber nichts über die Funktion beim Fortpflanzungsgeschehen aus.

Triebe
Aus den Rhizom Augen entwickeln sich die Halme oder es entstehen neue Rhizome.
Die leptomorphen (Ausläufer treibende) Rhizome verzweigen sich unterirdisch fast unendlich und immer wieder. So können große Bestände mit ihren weit verbreiteten Rhizomen ganze Berghänge vor dem Abrutschen bewahren. Auch in Erdbeben gefährdeten Gebieten werden Ausläufer treibende Bambusarten angepflanzt.

Blätter
Die Blätter wachsen an den Trieben. Ihre Aufgabe ist es, durch ihr Chlorophyll (Blattgrün) die Photosynthese zur Nährstoffbildung in Gang zu setzen.
Ein anderer spezialisierter Blatttyp sind die Halmscheiden. Sie umhüllen den jungen Sproß, bevor er aus der Erde kommt. Sie werden auch Schutzsprossen genannt. Sie schützen die Internodien.

Blüte
Die Blüte ist eine besondere Naturerscheinung. Sie tritt nur sehr selten auf. Manche Arten haben mehrere Jahrzehnte, ja sogar mehrere Jahrhunderte keine Blüten.
Setzt die Blüte ein, so blüht weltweit zur selben Zeit jeder Bambus des selben Klons oder Generation.
Sie ist sehr üppig, der Bambus hat dann tausende Blüten. Die Folge ist, dass die Reserven erschöpft sind und der Bambus sich oft nicht erholen kann.
Nach der Blüte trägt er Früchte und Samen.
Wie beim Weizen, trägt der Bambus Karyopse. Sie übernehmen die Vermehrung durch Keimung, wenn der Bambus sich nicht erholen kann. So wird die Art erhalten.
Diese Karyopse kann man auch zu einem wohlschmeckenden Mehl verarbeiten, allerdings hat man durch die seltene Blüte eine unregelmäßige Ernte.

Rainer Sturm  / pixelio.de
Bild: Rainer Sturm/pixelio.de

Wachstum
Jeder Bambushalm kommt mit seinem endgültigen Durchmesser aus dem Boden. Das Höhenwachstum dauert, je nach Art, zwischen 2 und 4 Monate.
Die Halme durchbrechen wie Spargelspitzen den Boden und wachsen in einer Vegetationsperiode zu ihrer ganzen Länge aus. In älteren Beständen bis zu 25cm an 24 Stunden. In tropischen Regionen liegt der Rekord bei 3m in 24 Stunden. Die Halme kommen weich aus der Erde und fangen am unteren Ende sofort an auszuhärten. So ist die Halmspitze noch weich, wenn im unteren Halmbereich schon Zweige ausklappen und sich beblättern. Erst im 2. und 3. Jahr härtet die Halmwandung gänzlich aus.

In Asien oder Südamerika erreichen einige Bambusarten Höhen bis zu 35cm mit einem Halmdurchmesser bis 35cm. Bambus ist ein Wunder der Natur. Die Halme sind so stabil, dass sie sogar bei orkanartigen Stürmen nur selten abbrechen. Das zeugt von einer sehr harten Halmwandung, die durch feste Fasern zusammen gehalten wird. Das in den Fasern enthaltene Lignin, welches auch in Holz enthalten ist, macht die Halme so fest und stabil. Hinzu kommt, dass fast alle Bambushalme hohl sind, was ein Brechen weitgehend verhindert.

Die Verwendung von Bambus
Bambus findet in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens Gebrauch. Er ist ein bedeutender und schnell nachwachsender Rohstoff. Vorallem in Asien hat er große ökologische, ökonomische und kulturelle Bedeutung. Für etwa 1,5 Milliarden Menschen bildet Bambus und seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten eine Lebensgrundlage. Aber auch bei uns kommt er immer wieder vor.

Lebensmittel
Zum einen kann man die Schösslinge des Bambusrohrs essen. Entweder als Gemüse oder in Essig eingelegt. Bambussprossen im Glas, kennt sicher jeder. Sie werden vorgekocht und abgepackt zum Verkauf angeboten. Sie werden hauptsächlich aus Asien und Lateinamerika importiert. In Europa werden sie nur in Italien angebaut. Bambussprossen werden gewonnen, indem man sie aus dem Boden ausgräbt, sie sind von mehreren sehr festen, haarigen und dunkelbraunen Blättern umgeben, die vor dem Kochen entfernt werden.

Zum anderen ist auch das haferähnliche Korn des Bambus essbar. Daraus hergestellter Tee oder Mehl enthält vorallem Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Proteine, Fette, Mineralstoffe und Vitamine. Angeblich soll es helfen, Migräne vorzubeugen.

Kulturelle Bedeutung
In China ist der Bambus ein Symbol für Demut, Bescheidenheit oder auch Ewiger Jugend. Außerdem steht er für Freude, Lachen, Frieden, Heiterkeit und Glück.
Bambus wird verbrannt. Im Feuer explodiert er, das Geräusch der berstenden Internodien soll böse Geister vertreiben und den Göttern ermöglichen Wünsche und Gebete zu hören. Aus diesem Geräusch wurde das Wort Bambus abgeleitet. Trockener Knall der Halmwände, im Bambus, zwischen den Nodien, entsteht ein Luftdruck. Im Feuer explodiert der Halm, das macht Bam und die entweichende Luft macht boo.

In Vietnam gilt der Bambus als Bruder des Menschen.

In Indonesien verwendet man Bambus bei religiösen Zeremonien, insbesondere bei der rituellen Totenverbrennung.

Bambus
Bild: tokamuwi /pixelio.de

Außerdem wird Bambus verwendet
Aus Bambus wird Papier gemacht, es wird als Flechtmaterial verwendet, als Treibstoff, wird zu verschiedenen Dingen des alltäglichen Lebens verarbeitet z.B. Essstäbchen, Schneidebretten, Zahnbürsten, Stoff, Wolle, Schnur, Sperrholz, Musikinstrumente, Hausbau, Furnier, Möbel, Waffen wie Lanzen, Blasrohre, Pfeilschäfte, Pfeilspitzen,

Bambus in der Flechterei
Für mich, als Flechtwerkgestalterin, ist Bambus sehr interessant. In vielen Gegenden der Welt wie Thailand, Indien, China, Japan…werden schon seit Jahrhunderten alle Arten von Haushaltsgegenständen wie Körbe, Hüte, Matten und Fallen aus Bambus gefertigt.

Ich habe das ganze Internet nach Informationen durchforstet, leider habe ich nicht so viel zu diesem Thema gefunden.

In ländlichen Gegenden, wo ganze Familie von der Korbflechterei leben, kann man noch Männer und Frauen dabei beobachten, wie sie Bambus in dünne biegsame Streifen spalten und in schwierige Muster flechten.
Im Norden sind Behälter zum Dämpfen und Aufbewahren von Klebreis, Matten, Fallen zum Fische fangen und Hühnerkäfige die am häufigsten gefertigten Dinge. Die Qualität der älteren Stücke wird heute leider nur noch selten erreicht und nur wenige junge Leute sind noch an den traditionellen Fähigkeiten interessiert.

Mein Traum, Ziel, Wunsch ist es, die Bambusflechterei dieser Welt zu erkunden, neue Techniken zu lernen und wenn es soweit ist, dann werde ich euch aufjedenfall teil haben!!

Alles Liebe, Flechthexe 🙂

dieflechterin
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Flechtwerkgestalterin

Hi, ich bin Alina. Ich habe 2014 die Ausbildung zur Flechtwerkgestalterin abgeschlossen und möchte nun mein Wissen und das wundervolle, eines der ältesten, Handwerke in die Welt hinaus tragen.
Ich werde mich auf eine lange Reise begeben und die Flechtkunst in vielen verschiedenen Ländern erkunden, das alles werde ich auf meinem Blog niederschreiben.
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Bei Fragen kannst du mir sehr gerne schreiben.

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