Rumpfgeflechte

Eingetragen bei: Flechtwerk | 5

Heute möchte ich euch ein bisschen etwas über die Rumpfgeflechte erzählen.

Rumpfgeflechte sind so zu sagen die Wand des Korbes. Sie bilden und formen den Korb. Es gibt einige verschiedene Techniken. Die die ich kenne und schon einmal gemacht habe, möchte ich heute vorstellen, dass ihr schonmal einen kleinen Einblick habt, denn in meinen Anleitungen werden diese Rumpfgeflechte vorkommen.

Also los gehts:

Rumpfgeflechte in der Geschlagenen Arbeit:

Zu den Grundgeflechten gehören die Schicht und der Gang.

Die Schicht:

Die Schicht ist das am häufigsten verwendete Rumpfgeflecht in der geschlagenen Arbeit. Man erkennt es daran, dass die Staken sichtbar sind und in jedem Zwischenraum eine Weide liegt. Der Anfang und das Ende ist nicht sichtbar. Die Schicht hat eine in Flechtrichtung aufsteigende Struktur. Die Schlagzahl beträgt 2, vor 1/ hinter 1.

Die Schicht

Die Flechtweiden werden stufenweise eingeflochten. Sie werden entgegen der Flechtrichtung eingelegt , entweder mit der Spitze oder mit dem Stammende.

Mehrere Schichten übereinander weisen eine Querstreifenwirkung auf, die Fläche ist in Abschnitte aufgeteilt. Die erste Schicht sollte immer höher sein als die obere.

Die Höhe der Schicht ist abhänig von:

  • Länge und Stärke der Weiden
  • Stakenanzahl = Anzahl der Flechtweiden, mehr Flechtweiden, höhere Schicht
  • Stakenabstand

Der Gang:

Der Gang ist ebenfalls, wie die Schicht, ein Grundgeflecht. Man erkennt ihn daran, dass die Staken sichtbar sind. Ebenso ist der Anfang und das Ende sichtbar. In jedem Zwischenraum liegt eine Weide. Der Gang hat eine in Flechtrichtung abfallende Struktur. Die Schlagzahl beträgt 2, vor 1/ hinter 1.

Der Gang

Die Flechtweiden werden sofort mit einer vorher bestimmten Anzahl von Flechtschlägen eingeflochten. Die Weiden werden in Flechtrichtung versetzt mit dem Stammende eingelegt.

Ein fortlaufend geflochtener Gang wirkt wie eine Spirale. Um die Wirkung zu erhöhen, kann man den ersten Flechtschlag über zwei oder drei Staken, der sogenannte Kimmschlag, ausführen.

Der Gang wird als Grundgeflecht sehr wenig angewandt, da er vom Aussehen her der Schicht sehr ähnlich ist. Außerdem hat er zwei Nachteile:

  1. es ist bei längeren Weiden zu zeitaufwendig
  2. Anfang und Ende sind immer sichtbar

 

Das gemattete Geflecht

Das gemattete Geflecht leitet sich vom Ganggeflecht ab. Der Unterschied liegt darin, dass beim gematteten Geflecht nur in jeden zweiten Zwischenraum eine Weide eingelegt wird.

Die Weiden werden mit einer bestimmten Anzahl von Flechtschlägen sofort eingeflochten. Sie werden in Flechtrichtung versetzt eingelegt. Es entsteht eine in Flechtrichtung absteigende Struktur.

Es ist wichtig, dass man eine ungerade  Stakenanzahl hat, da sonst mit zwei Flechtsträngen geflochten werden muss.

Das Besondere am gematteten Geflecht ist die Mehrweidigkeit.

gemattetes Geflecht

Es gibt zwei Varianten:

  1. das regelmäßig gemattete Geflecht

Dabei wird hinter jeder zweiten Stake eine Flechtweide eingelegt und eine gleichbleibende, zuvor festgelegte Anzahl von Schlägen geflochten. Die Anzahl der Schläge ist die Anzahl der Mehrweidigkeit z.B. 5 Flechtschläge ist 5-Weidig

2. das unregelmäßig gemattetes Geflecht

Dabei ist die Abfolge des Einlegens unregelmäßig. Es wird immer dann eine Weide eingelegt, wenn das Flechtband zu schmal wird. Der mehrweidige Flechtstrang ist als ein Band zu sehen, es wird immer mit dem ganzen Strang geflochten. Das unregelmäßig gemattete Geflecht eignet sich gut um Restmaterial zu verbrauche, denn man kann unterschiedliche Weiden nehmen, verschiedene Länge und Stärken.

 

Der Schichtwürfel

Der Schichtwürfel ist ein von der Schicht abgeleitetes Rumpfgeflecht.

Das Geflecht ist sehr stabil, da es doppelwandig ist. Die Staken sind nicht sichtbar. Die Schlagzahl beträgt 4, vor 2/ hinter 2.

Der Anfang und das Ende sind nicht sichtbar. Die Flechtweiden werden entgegen der Flechtrichtung eingelegt. Innerhalb des Schichtwürfels entsteht eine in Flechtrichtung aufsteigende Struktur. Es wird hinter jeder zweiten Stake eine Weide eingelegt. Dazu ist es wichtig, dass man eine gerade Stakenanzahl hat.

Jeder Würfel bildet eine abgeschlossene Schicht. Bei der nächsten Schicht, also dem nächsten Würfel, wird das Einlegen der Weiden um einen Zwischenraum versetzt. Es muss gleichmäßig und stark abgeklopft werden.

Das Flechten des Schichtwürfels ist sehr zeitaufwändig, daher nur bei hochwertigen Körben anwenden.

Das Würfelgeflecht

Das Würfelgeflecht

Das Würfelgeflecht ist ein vom Gang abgeleitetes Rumpfgeflecht. Wie der Schichtwürfel ist das Geflecht doppelwandig, also ebenfalls sehr stabil. Die Staken sind nicht sichtbar. Die Schlagzahl beträgt 4, vor 2/ hinter 2. Die Staken sind nicht sichtbar.

In jedem zweiten Zwischenraum wird eine Weide eigelegt und mit einer zuvor festgelegten Anzahl von Flechtschlägen sofort eingeflochten. Die Weiden werden in Flechtrichtung versetzt mit dem Stammende eingelegt. Es entsteht eine in Flechtrichtung abfallende Struktur.

Bei runden oder ovalen Körben benötigt man eine ungerade Stakenanzahl, da sonst beim Übergang in die zweite Runde keine Versetzung stattfinden kann.

Die Anzahl der Flechtschläge bestimmen die Höhe des Würfels z.B. 7 Flechtschläge sind 7 Weiden übereinander pro Würfel

Das Würfelgeflecht ist sehr zeitaufwendig und sollte daher nur für hochwertige Körbe angewandt werden.

 

Die Kimmschicht

Die Kimmschicht leitet sich vom Schichtgeflecht hab und hat die gleichen Merkmale.

In jedem Zwischenraum wird eine Weide eingelegt. Das Einlegen ist mit der Spitze oder dem Stammende möglich. Bei einer Schlagzahl von 3 sind die Staken nur innen sichtbar, bei einer Schlagzahl von 4 sind sie nicht sichtbar. Die Schlagzahl 3, vor 2/ hinter 1, vor 1/ hinter 2 oder Schlagzahl 4 vor 2/ hinter 2. Die Flechtweiden werden entgegen der Flechtrichtung eingelegt. Es entsteht eine in Flechtrichtung aufsteigende Struktur. Das Geflecht erscheint, mehr als bei anderen Rumpfgeflechten, als einheitliche, gleichmäßige Fläche und ist dadurch für klare, geometrische Formen besonders geeignet.

 

Diese Rumpfgeflecht habe ich praktisch und theoretisch in der Ausbildung gelernt. Die, die ich jetzt noch aufzählen werde, habe ich vielleicht einmal oder sogar noch keinmal gemacht, daher kann ich auch so gut wie nichts darüber sagen. Aber ich wollte sie dennoch aufzählen.

Das ZickZack Geflecht

Das ZickZackgeflecht

Das ZickZack Geflecht leitet sich von der Schicht ab. In jeden Zwischenraum werden zwei Weiden eingelegt (zwei Weidig). Man kann es aber auch ein Weidig machen. Die Weiden werden immer um die Stake herum in den Zwischenraum daneben gelegt. Es ist eins meiner Lieblings Rumpfgeflechte, auch wenn ich das erst einmal gemacht habe, ich finde das sieht super schön aus. Vorallem gefällt es mir zwei Weidig. Schön sieht es auch aus, wenn man zwei verschiedene Weiden Farben nimmt.

 

Das Wurstgeflecht

Das Wurstgeflecht

Das Wurstgeflecht ist ein Rumpfgeflecht, dass ich noch nie gemacht habe. Es ist sehr zeitaufwendig, da man sehr viele Weiden immer wieder einlegen muss und die ganze „Wurst“ etwas drehen muss, so Bekommt es die gedrehte Optik. Das werde ich aufjedenfall bald mal machen. Der Nachteil bei dieser Technik ist, dass der Korb sehr schwer wird, da man sehr viele Weiden einflechtet. Die Staken sind so gut wie nicht mehr sichtbar.

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Hi, ich bin Alina. Ich habe 2014 die Ausbildung zur Flechtwerkgestalterin abgeschlossen und möchte nun mein Wissen und das wundervolle, eines der ältesten, Handwerke in die Welt hinaus tragen.
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Bei Fragen kannst du mir sehr gerne schreiben.

5 Responses

  1. Marta

    Bei „Schicht“ meinst Du „geschlagene“ und nicht „geschlafene“ Arbeit oder ;). Der Unterschied zwischen Schicht und Gang ist mir nicht ganz klar. Heist es, ich muss bei Gang immer hin und her den Korb drehen?

    • dieflechterin
      dieflechterin

      oh ja ich meinte geschlagene Arbeit, hihi 😀
      Hm okay, wie soll ich das erklären? Ich werde dazu denke ich noch mal einen extra Artikel schreiben mit Skizzen zum besseren Verständnis.
      Und ja der Korb muss beim Gang immer hin und her gedreht werden, da man ja die einzelnen Weiden immer gleich komplett einflechten muss.

  2. Marta

    Hi, Alina! Ich habe zum ersten mal das Würfelgefecht ausprobiert. Ich konnte es mir zuerst nicht vorstellen aber dann habe ich einfach nach Deiner Beschreibung gemacht. Es hat ganz toll geklappt!!! Ich hatte recht viel Abfall- dünne Spitzen, habe 8 Schläge gemacht, hätte vielleicht 9-10 machen können. Gut ist wenn alle Flechtweiden gleich lang sind (meine sind es oft nicht) und Anzahl Schläge soll die Länge gut ausnutzen. Ende nach Innen oder nach Aussen? Ich hätte nach Aussen, vielleicht wäre nach Innen schöner? Mal wieder was neues gelernt Danke!!!

    • dieflechterin
      dieflechterin

      Hallo Marta,
      oh wie toll! Das freut mich riesig! Würdest du mir ein Bild davon zeigen? Ich würde es super gerne mal sehen, wie es geworden ist.
      Das Ende wird nach Außen gelegt. Aber ich denke, man kann es auch nach Innen legen, wie man will 🙂

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